Schalmei & Zurna

 
 

Schalmei

Der Ursprung unserer modernen Oboe kann nicht genau eruiert werden. Unklar ist bis heute, ob es sich bei der Oboe um eine Weiterentwicklung der Antiken Vorgänger handelt oder ob das Instrument im Verlaufe der ausgehenden Antike verloren ging und später über Asien seinen Weg zurück nach Europa fand.


Ein Vertreter der Gattung, nämlich ein Instrument namens Calamus (lateinisch für Halm-Rohr), war jedoch im Frühmittelalter vertreten. Der Name Schalmei (auch Schalmay, Schalmey - engl. Shawm) stand jedoch nicht für ein einzelnes Instrument, sondern für einen ganzen Typus von Instrumenten.


Schalmeien konnten mit einfachen oder doppeltem Rohrblatt, mit oder ohne Windkapsel auftreten. Wie es zu dieser Zeit üblich war wurden die Instrumente in Familien gebaut - das heisst  von der Diskant-Schalmei (3-gestrichene Oktave) bis zum Grossbasspommer (Kontra-Oktave) .


Bei der Klangerzägung mit Windkapslen hat der Spieler nur sehr wenig Möglichkeiten, den Klang zu beeinflussen. Als Folge klingen diese Instrumente relativ statisch.


Schalmeien waren insbesondere bei Spielleuten sehr verbreitet und gehörten nebst anderen Instrumenten zum Standardinstrumentarium. Das Instrument eignete sich hervorragend aufgrund seines durchdringenden Tones für „Frischluft-Aufführungen“.


Klangbeispiele:

- Altschalmei

- Sopranschalmei

 

Zurna

Als naher Verwandter oder sogar als direkter Vorläufer der Schalmei gilt die Zurna. Vor allem im Orient anzutreffen stammt sie direkt von den Antiken Vorgängern Aulos und Tibia ab und hat sich im Verlaufe der Jahrhunderte erstaunlich wenig verändert und als „wiederstandsfähig“ gegenüber technischen Neuerungen erwiesen.


Sie hat 8 mittelgroße Grifflöcher inklusive Loch für den linken Daumen. Das obere Ende der Röhre ist mit einem wäscheklammerähnlichen Stück, Capisto genannt, verschlossen. Anders als bei den europäischen Holzblasinstrumenten ist das Daumenloch jedoch nicht das erste Griffloch vom Spieler aus betrachtet, sondern es befindet sich etwa auf halber Höhe zwischen den Grifflöchern für den linken Zeigefinger und den linken Mittelfinger. Diese Grifflochanordnung ist typisch für orientalische Holzblasinstrumente.


Die Zurna ist das älteste bekannte Instrument der Schalmeienfamilie. Sie wird noch heute im gesamten Orient gespielt. Von der Beständigkeit der Bauform der Zurna zeugen unter anderem auch die Aufzeichnungen von den durch Napoleon veranlassten ägyptischen Expedition im Jahr 1798.


Das Klangspektrum reicht von volltönend bis stark näselnd. Der Klang hat dabei aber immer eine deutliche Schärfe, ist oft sogar rauh und gelegentlich auch etwas kratzig. Alle Instrumente sind sehr laut. Gespielt wird meist mit Windkapsel–ansatz und Zirkularatmung wobei die Lippen durch eine Lippenscheibe entlastet werden. Das im Mund frei schwingende Rohrblatt erzeugt so einen wie bei der Schalmei relativ statischen Klang der durch den Spieler nur bedingt verändert werden kann.


Wie erwähnt hat sich die Zurna bis heute erhalten können. Seit dem 19. Jahrhundert macht ihr jedoch die Oboe ihren Platz im Orchester streitig und in der Volksmusik wird sie immer mehr von der Klarinette verdrängt. Doch trotzdem wird sie auch von einigen professioniellen Musikern wieder neu entdeckt (ähnliches geschieht auch mit der Barockoboe in unseren Breitengraden).