Hautbois - das „hohe Holz“

 
 

Von der Schalmei zur Hautbois

Während des 17. Jahrhunderts änderte sich die Anforderungen an das Instrument gewaltig. Die traditionelle Freiluftkonzerte wichen immer mehr kammermusikalischen Konzerten in geschlossenen Räumen. Das Volumen und die Klangstärke der Schalmei waren aber alles andere als geeignet um in Räumen gespielt zu werden. Des weiteren war der starre und monotone Klang, der durch das Anblasen mit einer Windkapsel entstand, nicht in der Lage der gewünschten Nuancen Rechnung zu tragen.


Als Folge wurde in Frankreich ein neues Instrument konstruiert, das durch das Weglassen der Windkapsel viel flexibler bei der Tongestaltung und der Artikulation war und speziell für das Musizieren in geschlossenen Räumen bedeutend besser geeignet war.


Dieser neue Typ wurde Hautbois (franz. hohes Holz) gennant. Die aus einem Stück bestehende Schalmei mit grosser Stürze durch ein dreiteiliges Instrument mit zwei bis drei Klappen und einem mit mit einer Wulst verzierten Fuss ersetzt.


Anfänglich noch ein wenig zögerlich eingesetzt, konnte sie sich nach dem erstmaligen Einsatz in einem Orchester unter Jean Baptiste Lully am Hofe Königs Ludwigs XIV von Frankreich aus in ganz Europa verbreiten. Innert kürzester Zeit war die Hautbois überall anzutreffen. Besonders in Frankreich hatte sie eine sagenhafte Blütezeit. Die Musiker wurden wie Stars behandelt, reisten durch Europa, traten ausserhalb von Frankreich in Orchester ein und erhielten regelmässig ein höheres Salär, als es bei anderen Orchestermusikern der Fall war.


Die Oboe konnte sich als eines der ersten Blasinstrumente Ihren festen Platz im Orchester sichern und wurde erst durch die Erfindung der Klarinette anfangs des 18. Jahrhunderts in Bedrängnis gebracht.

Die vollendete Oboe

Im Gegensatz zur heutigen Zeit, war das 18. Jahrhundert wesentlich experimentierfreudiger. Das Design der französische Hautbois wurde nicht einfach nur übernommen sondern auch ständig erweitert.


Wie die meisten Blasinstrumente dieser Zeit war auch die Hautbois mit vielen „Mängeln“ behaftet. Zwar verstanden es die Musiker und Komponisten diese meisterhaft auszugleichen, trotzdem strebte man nach einem besseren Instrument. Durch die Gabelgriffe, die für das erzeugen von Halbtönen benötigt wurden, entstand mit jeder Tonart eine andere Klangfarbe. Ein Stück in C-Dur klang also wesentlich anders als das gleiche in As-Dur. Mit immer neuen Methoden versuchte man dieses Problem zu lösen. Klappen wurden nur zögerlich eingesetzt und stiessen häufig auf grosse Ablehnung, da sie den Klang des Instrumentes wesentlich beeinflussten.


Auch die Klangfarbe des Instrumentes an sich wurde stetig geändert. Die Bohrung wurde enger, die Rohre schmaler, der Klang somit dünner und kompakter. Der Tonumfang des Instruments wurde ständig nach oben erweitert.


Alles in allem verlangte die Hautbois von ihren Spielern einiges an Können und Flexibilität ab. Nur wenige stiegen zu Virtuosen auf und traten aus dem Orchestergraben ins Rampenlicht.


Die fortschreitende Entwicklung hatte auch zur Folge, dass verschiedene Schulen entstanden, die eine unterschiedliche Vorstellung des perfekte Oboenklangs entwickelten. Die französische und die deutsche Schule wichen erheblich voneinander ab (teilweise noch heute).