Dürfen es ein paar Klappen mehr sein?

 

Technische Neuerungen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren viele Holzblasinstrumente bereits mit einigen Klappen ausgestattet. So auch die Oboe. Die angebrachten Klappen dienten vor allem dazu, den Tonumfang zu erweitern und einzelne Töne (zum Beispiel gis) zu verbessern.


1827 präsentierte Theobald Böhm seine komplett neu konstruierte Flöte. Wie die Oboe war sie vorher nur mit einigen wenigen Klappen ausgestattet. Er wählte den radikalsten Ansatz und entwarf das Instrument komplett neu und legte somit einen Meilenstein im Instrumentenbau. Auch bei anderen Instrumenten wie der Klarinette wurden die Neuerung fleissig angewandt.


Die Oboe erlebte eine ähnliche Veränderung mit der Konstruktion einer neuen Mechanik durch Fréderic Triébert (1813 - 1878). Viele der Entwicklungen für Flöte und Klarinette flossen in die neue Mechanik der Oboe ein. Nicht nur die Mechanik wurde hinzugefügt sondern auch die Bohrung des Instruments verengt.


Im Gegensatz zu Böhm ging aber Triébert nicht das „Risiko“ eine kompletten Neugestaltung der Oboe ein, sondern fügte seinen Modellen stetig neue Klappen hinzu. Die Entwicklung der Mechanik gleicht in diesem Sinne mehr einer Evolution als einer Neuschaffung. Sicher einer der Gründe dafür, weshalb die Mechanik der Oboe sicher nicht zu den einfachsten gehört. War zum Beispiel bei den klassischen Oboe noch keine Oktavklappe enthalten machte es fortschreitende Entwicklung notwenig erst eine, dann eine zweite und am Schluss noch eine Dritte hinzuzufügen. Das Instrument wurde also immer wieder gemäss den Wünschen der Kundschaft verbessert und angepasst.


Die von Triébert entwickelten Systeme sind eigentlich bis heute gebräuchlich. Da diese anfänglich bevorzugt am Pariser Konservatorium eingesetzt wurden, wird sie als Konservatoriums Oboe bezeichnet.

Zwei Richtungen entstehen

Mit dem Bruch der Tradition von der bisherigen Bauweise waren nicht alle glücklich. Vor allem die Verengung der Bohrung konnte sich in Deutschland nicht durchsetzen. Dies führte dazu, dass die Oboe in Deutschland eine parallele Entwicklung durchlief wie in Frankreich.


Auch in Deutschland erkannte man, dass die Oboe nur durch eine verfeinerte Mechanik den Ansprüchen gerecht werden konnte. Die deutschen Instrumente wiesen jedoch eine weitere Bohrung und eine anderes Griffsystem aus als die Konservatoriums Oboen.


Obschon sich in der restlichen Welt die französische Oboe durchgesetzt hat, blieben die Deutschen bis ins 20. Jahrhundert ihrem eigenen Modell treu. Heute führt die Weiterentwicklung der deutschen Oboe, die Wiener Oboe, ein Nieschendarsein und wird zum Beispiel noch von den Wiener Phylharmonikern verwendet. Da dieses Instrument nur in kleiner Auflage produziert wird, verschwand sie 1949 beinahe und wurde vor allem durch den Einsatz des japanischen Herstellers Yamaha gerettet.